Zum Abschied Protest

12. Juni 2012, Frankfurter Rundschau

Von Timur Tinς und Sandra Busch


Der sogenannte Schwarze Block wirft nur mit Schaumstoff-Steinen um sich. Foto: dapd

Drinnen geht alles festlich zu, während draußen die Fluglärm-Gegner lautstark, aber friedlich demonstrieren. Die einzigen Steine, die in Richtung Polizei fliegen, sind aus Schaumstoff.

Hohn und Spott regnen am Montagnachmittag nicht nur in Form von Worten auf die Polizeibeamten nieder. Die rund 70 Aktivisten, des sogenannten schwarzen Blocks, werfen lachend mit schwarz angemalten Schaumstoffsteinen um sich und auf die Beamten, die dies stoisch über sich ergehen lassen. »Wir bedanken uns noch einmal sehr herzlich bei der Polizei für ihr erfolgreiches Blockadekonzept«, spottet Antifa-Aktivist Leo Schneider in Richtung der Uniformierten.

Dreimal so viele Beamte stehen um die schwarz gekleideten in der Braubachstraße. Der Zugang zum Paulsplatz bleibt ihnen um 15 Uhr noch verwehrt. Die Straßenbahnen der Linien 11 und 12 wurden umgeleitet, das Areal rund um die Paulskirche weiträumig abgesperrt. Das Bundeskriminalamt hatte wegen der Teilnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und zahlreicher Bankenchefs bei der Verabschiedung von Petra Roth (CDU) auf ein erhöhtes Sicherheitskonzept bestanden.

Festakt zum Abschied von OB Petra Roth (CDU)

Während die Aktivisten mit Kinderfeuerwerk und Wunderkerzen »randalieren«, trommeln und pfeifen, die immer mehr werdenden Fluglärmgegner den ankommenden Gästen der Festveranstaltung entgegen. Begegnen tun sich die so unterschiedlichen Parteien nicht. Torsten Welte von der Bürgerinitiative Luftverkehr Offenbach kommentiert die Ankunft der Ehrengäste aus Richtung Berliner Straße mit den Worten: »Das war ja zu erwarten, dass die nicht auf dieser Seite eintreffen. Merkel hat kein Interesse an einem Dialog mit den Bürgerinitiativen.« Er ist zur offiziellen Verabschiedung Roths gekommen, damit diese »keinen glanzvollen Abgang hat.«

Fluglärmgegner Johannes Faupel und Bernhard Mey von der Lärmwehr, die bereits das Haus von Petra Roth am Samstag mit Fluglärm beschallt hatten, sind mit ihrem Lautsprecherwagen auf dem Platz vor der Paulskirche aufgezogen. Sie wollen die Paulskirche mit den erlaubten 80 Dezibel beschallen. Das werde Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) allerdings drinnen wohl nicht hören, mutmaßt Mey – allein schon deshalb nicht, weil die beiden gleich wieder von der Polizei weggeschickt werden: Sie haben zwar eine Genehmigung, den Platz zu beschallen, nicht aber eine, dort auch zu parken.

Kleines Gerangel zwischen Polizei und Aktivisten

Als alle Gäste gegen 16 Uhr in der Paulskirche eingetroffen sind will die Bürgerinitiative ihre Kundgebung starten, die Polizei lässt aber die Aktivisten des schwarzen Blocks zunächst nicht auf den Paulsplatz. Es gibt ein kleines Gerangel. »Wir fangen erst an, wenn alle da sind und die Polizei den Menschen ihr Recht auf Versammlungsfreiheit gibt«, solidarisiert sich einer der Organisatoren mit der Antifa. Nach nur wenigen Minuten darf auch der schwarze Block auf den Platz.

Protest beim Abschied von OB Petra Roth

Michael Wilk vom Bündnis der Bürgerinitiativen gegen die Flughafenerweiterung ist Arzt und spricht auf dem Kleinlaster, den fluglärmgeplagten Menschen aus der Seele. »Krawall und Körperverletzung durch heraufbeschworene Gewalttäter sind für uns keine potenzielle Bedrohung«, sagt Wilk in Anlehnung an die verbotenen Blockupy-Demos. »Körperverletzung ist für uns längst tägliche Realität, nur dass die eigentlichen Krawallmacher und Körperverletzer in den Vorstandsetagen und in Ministersesseln sitzen.« Großer Applaus brandet unter den Demonstranten auf, die die Polizei später auf rund 450 schätzte. Die Veranstalter sprachen von 3000. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen.

Die Karriere von Petra Roth

Neben der OB bekommt auch Merkel ihren Satz, »die neue Bahn ist ein Gewinn für die Region und sie ist ein Gewinn für das ganze Land«, um die Ohren gehauen. Dieser Satz sei Politpropaganda und typisch für diejenigen, die sich heute in der Paulskirche feiern, führte Wilk aus: »Während Fraport und Lufthansa Gewinne maximieren und Umsätze steigern dürfen, bleibt für uns der Lärm, der Dreck, die verpestete Luft und ein zerstörter Wald.«

Gegen 17 Uhr löste sich die Kundgebung auf. Einige Hundert blieben noch und pusteten trotz strömenden Regens in ihre Trillerpfeifen. Da waren Angela Merkel und Petra Roth schon längst weg.