Aktivisten des Schwarzen Blocks warfen Schaumstoff-Steine

12. Juni 2012, Frankfurter Neue Presse


Eines der weichen Wurfgeschosse

Frankfurt. Starbucks hatte das Sicherheitsgitter an der Braubachstraße vorsichtshalber mal runtergelassen, schließlich gehören international agierende Kaffeekonzerne nicht gerade zu den Lieblingen linker Aktivisten. Die Vorsichtsmaßnahme wäre aber wohl nicht nötig gewesen: Der berüchtigte »Schwarze Block« trat gestern nur mit 100 Protestlern an, die sich nicht aggressiv, sondern selbstironisch zeigten.

Zwar trugen die Autonomen gemäß dem Aufruf zur Demonstration »angemessene Kleidung«, also schwarze Kapuzen, Mundtücher und Sonnenbrillen; statt echter Steine, die Schaufenster zerschlagen könnten, hatten sie aber Exemplare aus Schaumstoff dabei. Diese schleuderten sie im Sinne eines inszenierten Straßenkampfs auf die Polizisten, denen der Klamauk nicht einmal ein müdes Lächeln entlockte.

Getrennte Kundgebungen

Das Ordnungsamt hatte die »Kundgebung gegen Grundrechtseinschränkungen im liberalen, weltoffenen Frankfurt« in die teils abgesperrte Braubachstraße verlegt, um sie von der Anti-Fluglärm-Demo zu trennen. Weil sich die vom Paulsplatz kommenden Aktivisten zunächst auf der falschen Seite der Absperrung versammelten, drängte die Polizei sie ein paar Meter weiter auf das vorgesehene Gelände, was mit »Geht-weg!«-Rufen quittiert wurde.

Die Protestler ließen sich ihre gute Laune aber nicht verderben und gefielen sich darin, die Polizei auf die Schippe zu nehmen: »Wir fordern die Polizisten auf, uns unsere Schwamm-Steine zurückzuwerfen, weil uns die Munition ausgeht«, rief ein Aktivist ins Megafon. Bei der Polizei bedankte sich der »Schwarze Block« augenzwinkernd: Sie habe das linke Blockade-Konzept übernommen und den Paulsplatz mit mehreren Hundertschaften abgeriegelt.

Beim Anmelder der Kundgebung handelt es sich um den Mann, der auch für die Anti-Kapitalismus-Demo am 31. März verantwortlich zeichnete. Damals waren 15 Polizisten verletzt worden und erhebliche Sachschäden entstanden. Vergleichbare Szenen lagen gestern zu keinem Zeitpunkt in der Luft. Die Polizei sprach von einem »sehr friedlichen Verlauf«.

Neue Interpretation

Gegen 16 Uhr beendete der Anmelder die Kundgebung und rief die Protestler dazu auf, sich der Anti-Fluglärm-Demo anzuschließen. Dort trat ein Autonomer auf die Bühne und verhängte polemisch ein Aufenthaltsverbot gegen Stadt- und Landesregierung – in Anspielung auf die Stadtverbote während der Blockupy-Tage.

Am Abend verkündeten die Aktivisten per Mitteilung, den »Schwarzen Block« auf dem Adorno-Platz in Bockenheim gesichtet zu haben. Dort steht bekanntlich eine Nachbildung von Adornos dunklem Schreibtisch in einem Glasblock – so lässt sich bekannte Kunst immer wieder neu interpretieren. (chc)