Roth-Abschied: Störung geplant

Fluglärmgegner und Linke wollen Festakt behindern

8. Juni 2012, Frankfurter Allgemeine Zeitung (Print-Ausgabe als pdf)

Es dürfte eine Abschiedsfeier mit Missklängen werden. Wenn Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) am Montagnachmittag in der Paulskirche mit hohen Ehren nach 17 Jahren an der Spitze der Stadt offiziell verabschiedet wird, könnte es zumindest ziemlich laut werden. Denn die Fluglärmgegner, die sich nach wie vor jeden Montagabend im Flughafen einfinden, haben angekündigt, ihren Unmut über die neue Landebahn vor und während des Festakts deutlich hörbar kundzutun – und Roth damit den Abschied so unangenehm wie möglich zu machen.

Nicht nur deshalb sind die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Paulsplatz streng. Die Medienvertreter zum Beispiel mussten unterschreiben, einverstanden zu sein, dass »Auskünfte
bei der aktenführendenPolizeibehörde« über sie eingeholt werden. Der Einlass der etwa 900 Gäste wird ebenfalls strikt kontrolliert werden, denn als Hauptrednerin hat sich Angela Merkel (CDU) angekündigt. Zur Kanzlerin hatte Roth immer ein gutes Verhältnis, die Oberbürgermeisterin war als langjährige Präsidentin des Deutschen Städtetags oft wichtige Ansprechpartnerin ip allen Fragen der Kommunalpolitik. Außerdem wird Frankfurts Bürgermeister Olaf Cunitz (Die Grünen) die Begrüßungsansprache halten, bevor schließlich auch die zu Ehrende selbst ans Rednerpult tritt. Musikalisch begleitet wird der Festakt vom Ensemble Modern unter Leitung von Michael Gielen. Beginn der Veranstaltung ist um 16 Uhr, eine Viertelstunde vorher müssen die Plätze eingenommen sein.

Doch nicht nur die Fluglärm-Gegner, sondern auch Anhänger des sogenannten schwarzen Blocks aus der linksextremen Szene haben ihr Erscheinen angekündigt. Unter dem Motto »Petra Roth geht, der schwarze Block kommt« haben sie für 15 Uhr auf den Paulsplatz eingeladen. Ihre Mitglieder sollten »in dunkler und angemessener Kleidung« auftreten, um die Oberbürgermeisterin »gebührend« zu verabschieden, heißt es in einem Aufruf im Internet. Das kapitalismuskritische
Blockupy-Bündnis hat ebenfalls angekündigt, der scheidenden »Polizei-Oberbürgermeisterin« einen »angemessenen Abschied« zu bescheren.

Die Einsatzkräfte bereiten sich deshalb nach eigenen Angaben auf einen Einsatz während Roths Verabschiedung gut vor; sie haben dabei vor allem die Linksextremen im Blick. »Wenn sie kommen, werden wir da sein«, sagt eine Polizei-Sprecherin auf Anfrage. Wenn alles friedlich bleibt, geht die Abschiedsfeier nach dem Festakt im Karmeliterkloster wetter: Spätestens dann ist hoffentlich keine Zeit mehr für Missklänge. trö.