Radau zum Abschied von Petra Roth

Linksradikale Aktivisten wollen die Feierstunde für die OB »sicht- und hörbar bereichern«

8. Juni 2012, Frankfurter Neue Presse (Print-Ausgabe als pdf)


Der »Schwarze Block« hat eine ganz eigene Vorstellung von angemessener Kleidung. Foto: Reuß

Frankfurt. Schwarz wird beim Abschied für Oberbürgermeisterin Petra Roth die dominante Farbe sein: Die scheidene OB und ihre politischen Mitstreiter sind wegen ihrer CDU-Zugehörigkeit »schwarz« im übertragenen Sinne; ein Großteil der 900 prominenten Gäste wird sich aus Gründen der Eleganz in schwarz hüllen, und der »Schwarze Block«, der die Zeremonie stören will, trägt die Farbe schon im Namen.

Schwarze Klamotten, vermummte Gesichter, Wurfgeschosse im Säckel – so demonstrieren die radikalen Aktivisten des Blocks europaweit gegen den Faschismus oder Kapitalismus. Dass es dabei nicht immer friedlich zugeht, haben die Ausschreitungen bei der M 31-Demo im März gezeigt. Damals kam es in der Frankfurter Innenstadt zu Sachbeschädigungen und Körperverletzungen.

Anlässlich der Abschiedsfeier für Petra Roth am 11. Juni, zu der auch die Bundeskanzlerin erwartet wird, ruft der »Schwarze Block« dazu auf, »in dunkler und angemessener Kleidung« zu erscheinen. Der Sprecher der Bewegung – er nennt sich Peter Weiss – rechnet mit einigen hundert Teilnehmern aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet, aber auch aus Göttingen, Hamburg und Berlin.

Geplant sei, mit dem Block so nah wie möglich an den Ort des Geschehens zu kommen und »die gesamte Zeremonie sicht- und hörbar durch eigene Akzente zu bereichern«. Man rufe die Teilnehmer zwar zur Besonnenheit auf, nach der »Verbotsorgie rund um Blockupy« habe man aber Verständnis dafür, »dass Menschen, die bei der Durchführung ihrer Kundgebungen bedrängt, drangsaliert und behindert werden, ihre Wut deutlich zum Ausdruck bringen«.

Eine »umfangreiche Blockade der Paulskirche durch die Frankfurter Polizei« würde dem Block die Möglichkeit geben, »all die Überraschungen aus der autonomen Wundertüte an anderen Stellen der Stadt zum Besten zu geben«, betont Weiss. Die Polizei kündigt auf Nachfrage »eine angemessene Präsenz in der Innenstadt an«. Schon wegen der Anti-Fluglärm-Demo, die parallel zur Feierstunde stattfinde, sei eine gewisse Zahl von Beamten nötig. »Und wenn der ›Schwarze Block‹ da ist, sind wir natürlich auch da.« CDU-Fraktionschef Helmut Heuser bezeichnet die Aktion »Blockupy Roth« unter Verweis auf die Erfolge der OB als respektlos. Sie offenbare die »kleinkarierte Weltsicht« des »Schwarzen Blocks«: «Diese Herrschaften blasen gerne die Backen auf oder nehmen einen Stein zur Hand, um ihren politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen, verfügen aber nicht über die menschliche Größe, der in Frankfurt beliebten und deutschlandweit anerkannten OB einen würdigen Abschied zuzugestehen.« Eine empfindliche Störung der Feierlichkeiten wäre in Heusers Augen »ein radikaler Stilbruch in der politischen Kultur dieser Stadt« (chc)